Jahreshauptversammlungen + Hegeschauen 2026
Rückblick, Analyse und Ausblick auf das kommende Jagdjahr
Am 28. März 2026 versammelten sich die Mitglieder der Rotwildhegegemeinschaft Bayerische Rhön in Thulba zur diesjährigen Jahreshauptversammlung. Neben einem umfassenden Rückblick auf das Jagdjahr 2025/2026 standen insbesondere die Auswertung der Abschusszahlen, die zukünftige Entwicklung des Rotwildbestandes sowie organisatorische Themen im Mittelpunkt der Veranstaltung.
Die Versammlung bot erneut eine wichtige Plattform für den Austausch zwischen Jägern, Behörden und weiteren Beteiligten aus den Bereichen Forst und Landwirtschaft.
Langjährige Entwicklung der Abschusszahlen
Ein zentrales Element der Präsentation war die Darstellung der langfristigen Entwicklung der Abschusszahlen seit den frühen 1990er Jahren. Dabei wurde deutlich, dass sich die Rotwildstrecken über die Jahrzehnte hinweg erheblich verändert haben.
Während in den 1990er Jahren noch deutlich niedrigere Abschusszahlen zu verzeichnen waren, stiegen diese insbesondere ab den 2000er Jahren kontinuierlich an. In den vergangenen Jahren wurde schließlich ein sehr hohes Niveau erreicht, mit Spitzenwerten von über 900 Stück Rotwild pro Jagdjahr.
Im aktuellen Jagdjahr 2025/2026 ist jedoch ein Rückgang zu beobachten. Dies zeigt, wie sensibel die Entwicklung der Bestände auf äußere Einflüsse und jagdliche Maßnahmen reagiert und wie wichtig eine kontinuierliche Anpassung der Strategien ist.
Analyse des Jagdjahres 2025/2026
Für das Jagdjahr 2025/2026 wurde ein Abschuss-Soll von 724 Stück Rotwild festgelegt. Tatsächlich erreicht wurden 605 Stück, was einer Zielerfüllung von rund 83,5 % entspricht.
Diese Abweichung verdeutlicht die Herausforderungen in der praktischen Umsetzung der Abschussplanung. Gründe hierfür können unter anderem sein:
• witterungsbedingte Einflüsse
• verändertes Wildverhalten
• unterschiedliche Revierbedingungen
• organisatorische und personelle Faktoren
Die Auswertung zeigt zudem eine klare Verteilung der Strecke:
• Rund 74 % entfallen auf Kahlwild (Alttiere, Schmaltiere und Kälber)
• Etwa 26 % auf Hirsche
Diese Gewichtung entspricht grundsätzlich den Anforderungen eines nachhaltigen Wildmanagements, bei dem insbesondere das Kahlwild eine zentrale Rolle in der Bestandsregulierung spielt.
Differenzierte Ergebnisse der Reviergruppen
Ein genauer Blick auf die einzelnen Reviergruppen zeigt teils deutliche Unterschiede in der Zielerreichung:
• Bad Brückenau und Hammelburg bewegen sich insgesamt im soliden Bereich, mit teilweise guter Annäherung an die Vorgaben.
• In Bad Kissingen und Mellrichstadt zeigen sich punktuelle Abweichungen, insbesondere innerhalb einzelner Wildklassen.
• Die Reviergruppe Bad Neustadt – unterteilt in Privat- und Staatsjagd – weist differenzierte Ergebnisse auf, die in der Gesamtbetrachtung jedoch nahe am Soll liegen.
• Gemünden stellt eine der größeren Reviergruppen dar und trägt entsprechend wesentlich zum Gesamtergebnis bei.
Diese Unterschiede unterstreichen die Notwendigkeit einer regional angepassten Bejagungsstrategie. Einheitliche Vorgaben müssen stets unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten interpretiert und umgesetzt werden.
Abschussplanung 2026/2027
Für das kommende Jagdjahr 2026/2027 wurde ein neuer Abschussplan mit insgesamt 678 Stück Rotwild beschlossen.
Im Vergleich zum Vorjahr bedeutet dies eine Anpassung der Zielvorgaben. Ziel bleibt es, eine ausgewogene Balance zwischen Wildbestand und Lebensraum zu gewährleisten.
Im Fokus stehen dabei:
• die nachhaltige Regulierung der Bestände
• die Vermeidung von Wildschäden in Wald und Feld
• die Erhaltung einer gesunden Altersstruktur
• die konsequente Bejagung des Kahlwildes
Die Umsetzung dieser Ziele erfordert weiterhin eine enge Abstimmung zwischen allen Beteiligten.
Organisation und ehrenamtliches Engagement
Die Arbeit innerhalb der Rotwildhegegemeinschaft basiert überwiegend auf ehrenamtlichem Engagement. Dennoch entstehen regelmäßig Kosten, beispielsweise für:
• Organisation und Durchführung von Versammlungen
• Informationsmaterialien und Kommunikation
• Vorträge und fachliche Beratung
• Instandhaltung von Ausrüstung
Zur Deckung dieser Aufwendungen wurde ein neuer jährlicher Mitgliedsbeitrag von 20 Euro festgelegt.
Struktur und Ansprechpartner
Die Hegegemeinschaft ist organisatorisch in mehrere Reviergruppen gegliedert, die jeweils durch Sprecher vertreten werden. Unterstützt wird die Arbeit durch die zuständigen unteren Jagdbehörden der Landkreise.
Die Leitung der Hegegemeinschaft übernimmt der Hegegemeinschaftsleiter gemeinsam mit seinen Stellvertretern sowie weiteren Funktionsträgern in den Bereichen:
• Kassenführung
• Schriftführung
• Öffentlichkeitsarbeit
• fachliche Beratung im Rotwildmanagement
Diese Struktur gewährleistet eine koordinierte und fachlich fundierte Zusammenarbeit.
Ausblick auf das Jagdjahr 2026/2027
Zum Abschluss der Versammlung wurde deutlich, dass die Rotwildhegegemeinschaft Bayerische Rhön weiterhin vor anspruchsvollen Aufgaben steht. Die Balance zwischen Wildbestand, Waldentwicklung und landwirtschaftlichen Interessen erfordert eine konsequente und zugleich flexible Herangehensweise.
Die bisherigen Entwicklungen zeigen jedoch, dass durch gemeinsames Handeln, fachlichen Austausch und verantwortungsbewusste Jagdausübung eine nachhaltige Bewirtschaftung des Rotwildbestandes möglich ist.
Mit diesem Anspruch startet die Hegegemeinschaft in das neue Jagdjahr 2026/2027.




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Jahreshauptversammlungen + Hegeschauen 2025
Schon Anfang April fand die Jahreshauptversammlung der Rotwildhegegemeinschaft Rhön in der Thulbatalhalle in Thulba statt.
Neben der gesetzlich vorgeschriebenen Ausstellung der im letzten Jagdjahr 2024/25 erlegten Hirschgeweihe aller Altersklassen waren die Analyse dieser Abschüsse sowie die künftige Bewirtschaftung des hiesigen Rotwildbestandes die Hauptthemen.
Der Leiter der RHG Rhön, Harm Humburg, sowie der Vertreter der Jagdbehörde Herr Hans-Peter Donislreiter, erläuterten anhand von Grafiken die Entwicklung der Rotwildpopulation.
Nach extrem hohen Streckenzahlen der letzten Jahre zeigte sich ein Abwärtstrend. Die Gründe dieser Entwicklung wurden erörtert sowie die die Wechselbeziehungen des Rotwildes mit seinem Rest-Lebensraum, dem Wald.
Ein ausgewachsener Hirsch braucht als reiner Pflanzenfresser täglich ca. 5 kg. Grünmasse zu seiner Ernährung. Diese muss er in seinem Umfeld aufnehmen. Ist der Wechsel in die Feldflur und in die Äsungsgründe verwehrt, bleibt nur der Wald als Nahrungsquelle. Dies führt zwangsläufig zu Konflikten mit der Forst – und Landwirtschaft.
Die Jägerschaft wie die Hegegemeinschaft versucht durch Regulierung des Bestandes einen Ausgleich zu schaffen. Dies wird in unserer dichtbesiedelten, von Straßen durchschnittenen Kulturlandschaft durch hohen Freizeitdruck, durch den erforderlichen Jagddruck sowie durch die wachsende Wolfspopulation immer komplexer und schwieriger.
Auch der Wolf braucht z.B. 4 kg Fleisch am Tag.
Im öffentlichen Teil der Hegeschau am Nachmittag konnten zahlreiche Ehrengäste wie Staatssekretär Sandro Kirchner, die Landräte Thomas Bold und Thomas Habermann, der zweite Bürgermeister des Marktes Oberthulba, Herr Jürgen Kolb, sowie Ramona Fehringer als Referentin des BJV begrüßt werden.
Die Regie der Versammlung übernahm Daniel Zippert als stellv. Vorstand. Gunther Hahner, Mitglied des Vorstandes der RHG, zeigte zunächst in seinem Vortrag die Veränderungen im Verhalten und der Bejagung des Rotwildes auf. Er erklärte ausführlich die gebietsübergreifenden Wanderungen des Rotwildes, v. a. der Hirsche, die keine „Grenzen“ kennen.
Aber nur in den eng umrissenen Rotwildgebieten darf sich das Rotwild frei bewegen. Verlässt es diese relativ kleinen Lebensräume und wechselt in die sog. rotwildfreien Räume muss es nach jetziger Gesetzeslage sofort abgeschossen werden. Es ist dann im Gegensatz zum Wolf, vogelfrei ohne entsprechendem Abschussplan. Das definierte Rotwildgebiet und der größte Teil der rotwildfreien Gebiete sind bei uns in der Rhön eng verzahnt. Ein sinnvolles Wildtiermanagement ist so zunehmend nicht mehr machbar. Der erhöhte Jagddruck, die Trockenjahre sowie die Ausbreitung des Wolfes drängt das Rotwild in nicht erlaubte Lebensräume, wie z.B. in den großen, ruhigen Truppenübungsplatz Wildflecken, was im Totalabschuss endet.
Deshalb fordert die RHG neue gesetzliche Regelungen besonders für sog. Wanderhirsche, um den nötigen Genaustausch der verinselten Rotwildpopulationen wieder zu ermöglichen.
Wechselwirkungen mit der Bejagung des Schwarzwildes wurden geschildert. Hier stört die Nachtjagd durch die erlaubte Nachtoptik den Äsungsrhythmus des Rotwildes, was zu weiteren Wildschäden führt.
Die Errichtung von Wolfsschutzzäunen – fast eine Million Euro Fördergelder flossen in unsere Region – sperrt das Rotwild von natürlichen Nahrungsquellen aus.
Im Anschluss meldeten sich die geladenen Gäste zu Wort wo auch noch mal die eigenen Sichtweisen und die der Politik dargestellt wurden. Besonderes Augenmerk wurde auf den Vortrag von Fr. Fehringer vom Bayerischen Jagdverband gelegt. Unter dem Titel „König ohne Reich – Dilemma Rotwild und Waldumbau“ zeigte Frau Fehringer auf, dass der Freistaat Bayern doch nicht so frei ist und man dem Rotwild geeignete Flächen lassen sollte. Des Weiteren wurde das Autobahnnetz genannte welches eine Barriere für das Rotwild ist und somit eine Wanderung und ein Genaustausch zu Nichte macht. Der Waldumbau ist eine weitere Problematik, die von Frau Fehringer aufgezeigt wurde und spiegelte sich mit den Erkenntnissen, die bereits ihre Vorredner genannt hatten. Die genannten Lösungsvorschläge hat die RHG bereits an höherer Stelle vorgebracht.
Die negative Zeitenwende für das Rotwild ist eingeläutet. Zwingend nötig ist es, auf Grund dieser Entwicklung und neuer Erkenntnisse auf politischer Ebene gemeinsam zu handeln, um dem Rotwild, unseren letzten Großsäugern der Wildbahn, gerecht zu werden.
Eine weitere Veranstaltung zu dieser Thematik findet grenzübergreifend der bayerischen, hessischen und thüringer Rhön-Hegegemeinschaften am 27. Juni 2025 um 18:30 Uhr im Heinrich – Köppler Haus in Hammelburg statt.


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Jahreshauptversammlungen + Hegeschauen 2024
Nachdem Harm Humburg, Hegegemeinschaftsleiter der Rotwildhegegemeinschaft Bayerischen Rhön, die geladenen Gäste und Mitglieder in der Thulbahalle in Thulba begrüßte, fuhr er mit einem Überblick über die Jagdjahre mit den Soll- und Ist-Abschüssen fort. Hier zeigte Hr. Humburg auch, dass die stetig steigenden Zahlen auf einem Rückgang sind.
Danach ging es detaillierter in die einzelnen Reviergruppen über. Hier zeigte sich vor allem bei den Hirschen der Kl. III eine hohe Rate. Es wurde überlegt wie man da gegen arbeiten kann und wie man den Bereich der rotwildfreien Gebiete, in denen es enorme Abschüsse gab, mit in den Bereich des körperlichen Nachweises eingliedern kann.
Das Thema körperlicher Nachweis war bereits auf der letzten Jahreshauptversammlung angesprochen worden und es kristallisiert sich heraus, wie wichtig dieser Part ist. Auch die Genverarmung, die durch fehlende Wanderkorridore hervorgerufen wird ist ein wichtiger Punkt, der angesprochen wurde und nach Lösungsvorschlägen sucht.
Nach weiteren internen organisatorischen Abläufen beschloss Hr. Humburg die Jahreshauptversammlung[nbsp]und[nbsp]ging in die Pause über, um danach mit dem öffentlichen Teil fortzufahren.
In dem öffentlichen Teil freuten sich die Anwesenden auf die Reden und Darstellungen der geladenen Gäste Hr. Habermann Landrat Rhön-Grabfeld und selbst Jäger, Thomas Bold Landrat Bad Kissingen, Edgar Thomas vom Bayerischen Bauernverband und Staatssekretär Sandro Kirchner ließen es sich nicht nehmen und lobten die gute Arbeit der Rotwildhegegemeinschaft für das größte Säugetier in Deutschland und für das zweitgrößte Rotwildgebiet Bayerns, die Rhön.
Danach war es Zeit für den Vortrag von Daniel Zippert „Rotwildmanagement im Forstbetrieb Hammelburg“. Hier zeigte Hr. Zippert das Zusammenleben Rotwild und Wald auf. Wie es möglich ist auch Verbissschäden klein zu halten, dem Rotwild Rückzugsmöglichkeiten zu bieten, aber auch Flächen wo ein gewisser Jagddruck herrscht. Alles in allem ein sehr gutes Konzept um dem „König der Wälder“ eine Möglichkeit zu geben sich weiter fortzupflanzen und eine gesunde Population beizubehalten.
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Jahreshauptversammlungen + Hegeschauen 2023
Nach drei Jahren coronabedingter Pause war es am Samstag, den 15. April 2023 wieder soweit, dass die Rotwildgemeinschaft Bayerische Rhön ihre Jahreshauptversammlung mit anschließender Öffentlicher Hegeschau abhalten konnte.
Der Hegegemeinschaftsleiter Harm Humburg eröffnete die Versammlung und stellte den Zuwachs des Rotwildes vor, hob die Geburtenrate hervor und erläuterte das Brunftverhalten der Hirsche. Weiter ging es dann mit der Soll- und Ist-Erfüllung der Abschusszahlen.
Danach war das Thema „Neuwahlen“ an der Reihe. Durch Corona konnten vor drei Jahren keine Wahlen stattfinden, so dass der Vorstand in der Übergangszeit nur kommissarisch die Rotwildgemeinschaft leitete. In einer vorher abgestimmten öffentlichen Abstimmung wurde der Vorstand einstimmig gewählt. Dieser setzt sich wie folgt zusammen: Hegegemeinschaftsleiter: Harm Humburg, Stellvertreterin: Birgit Kompe, Stellvertreter: Daniel Zippert, Kassierer: Frank Delißen, Beisitzer Rotwildmanagementkonzept: Gunter Hahner und Christoph Kühnlein, Beisitzer Öffentlichkeitsarbeit: Olaf Löckemann.

Nach dem Organisatorischen und der Zustimmung der Mitglieder, konnte die Versammlung von
Hr. Humburg fortgesetzt werden und er wies auf die Wichtigkeit des „körperlichen Nachweises“ hin, wie vorbildlich und ehrlich miteinander umgegangen wird. Außerdem wurden den Mitgliedern noch zwei Projekte vorgestellt: Rotwildkonzept für die RHG Bayerische Rhön mit Start im Kreis Rhön Grabfeld und die Ermöglichung der Rotwild Wanderkorridore nach Thüringen.
Zwischenzeitlich wurde die Versammlung von den Jagdhornbläsern der Kreisgruppe Bad Brückenau e. V. musikalisch untermalt.

In dem Part Öffentliche Hegeschau freute man sich, Landrat Thomas Bold, Landtagsabgeordneten Sandro Kirchner, Obmann Bauernverband Edgar Thomas und Herrn Jürgen Kolb 2. Bürgermeister von Oberthulba als Gastredner begrüßen zu dürfen. Es wurden bei den Reden die Wichtigkeit der Jagd und der Jäger herausgestellt, dass ein Miteinander aller Gruppierungen sinnvoll sei. Außerdem war der Wolf und auch die Änderung im Waffengesetz ein Thema, welches angesprochen wurde.

Rundum waren alle Beteiligten mit der Versammlung und den Ergebnissen hoch zufrieden.


